Auslandserfahrung ist für Studierende unbezahlbar - leider oft auch im wörtlichen Sinne. Flug, Studiengebühren und Unterkunft können sich die wenigsten leisten, ohne in finanzielle Schwierigkeiten zu kommen. Dabei gibt es viele Organisationen, die einen Auslandsaufenthalt unterstützen. Allein die Rotary Foundation vergab im vergangenen Jahr über 1000 Stipendien.
Ein Stipendium der Rotary Foundation zu bekommen, ist vergleichsweise einfach. Damit man sich um einen Auslandsaufenthalt als "Ambassadorial Scholar" bewerben kann, muss einen zunächst nur ein Rotarier unterstützen und in seinem Club vorschlagen. Rotary Clubs gibt es in jeder größeren deutschen Stadt und es ist gut möglich, einen oder mehrere Rotarier in seinem Bekanntenkreis zu haben, ohne es zu wissen. Hat einen der Club erst einmal für geeignet - das heißt für sozial engagiert und fachlich qualifiziert - befunden, ist man eigentlich schon mit einem Bein im Ausland.
Teilnahme an Sozialaktionen im Gastland
Seit 1947 schickt Rotary seine Stipendiaten in alle Welt. Über 30.000 Botschafter des guten Willens haben die Foundation seitdem zwischen Australien und Amerika vertreten. Botschafter des guten Willens zu sein heißt, sich im Gastland für internationale Verständigung und Freundschaft einzusetzen. Was sich im rotarischen Dialekt ziemlich hochtrabend anhört, ist in Wirklichkeit gar nicht so schwierig. Die Stipendiaten sollen während ihres Aufenthalts Vorträge vor Rotariern und anderem Publikum halten, in denen sie über ihr Heimatland sprechen. Außerdem empfiehlt es sich, an rotarischen Sozialaktionen im Gastland teilzunehmen. Das kann die Unterstützung einer Impfaktion sein oder die Mittelbeschaffung für die örtliche Bibliothek. Nach der Rückkehr gilt es dann noch, den heimischen Rotariern von den Erlebnissen im Ausland zu berichten.
26 Millionen US-Dollar für Stipendien
Allein 2002/03 unterstützte Rotary über 1100 Stipendiaten mit 26 Millionen US-Dollar. Damit ist die Rotary Foundation eine der größten privaten Stipendienstiftungen weltweit. Die meisten Stipendien decken die Kosten für Reise, Unterkunft und Studiengebühren bis zu einem bestimmten Höchstbetrag ab. Für ein dreimonatiges Kulturstipendium sind das zum Beispiel bis zu 12.000 US-Dollar. Bleibt man mit seinen Ausgaben unter diesem Betrag, muss man nur noch für die Krankenversicherung und sonstige Kosten aufkommen.
Gute Betreuung der Stipendiaten
Das große Plus der Rotary Foundation ist ihre jahrelange Erfahrung mit Stipendien. Dadurch kommt jeder Stipendiat in den Genuss einer umfassenden Betreuung. Die Kandidaten haben nicht nur einen Stipendien-Koordinator, der fast immer erreichbar ist und bei Unklarheiten schnell reagieren kann. Auch sonst sorgt die Foundation mit ihren Service-angeboten dafür, dass der Stipendiat sich um möglichst wenige Details kümmern muss, egal ob bei der Suche nach einem billigen Flug oder der geeigneten
Krankenversicherung.
Stipendien-Arten:
1. Ambassadorial Scholarships:
Diese Stipendien machen den größten Anteil im Programm der Rotary Foundation aus. Die Stipendiaten können im Ausland entweder einen Bachelor- oder Master-Abschluss machen (ein- bzw. zweijähriger Aufenthalt) oder in Intensivkursen ihre Sprachkenntnisse verbessern (drei bzw. sechs Monate).
2. Rotary World Peace Scholarships:
Jährlich werden weltweit 70 der sogenannten Friedensstipendien vergeben. Diese gelten für ein zweijähriges Studium mit Masterabschluss im Studiengang "Internationale Beziehungen, Friedens- und Konfliktforschung" an einem der sieben "Rotary Centers for International Studies". Ein Friedensstipendium wird allerdings nur an Personen vergeben, die sich bereits für den Weltfrieden eingesetzt haben oder einschlägige Arbeitserfahrungen gesammelt haben.
3. Group Study Exchange (GSE):
Beim GSE werden Gruppen-Stipendien an besonders qualifizierte Nicht-Rotarier vergeben, die bereits im Berufsleben stehen (Alter: 25 bis 40 Jahre). Die Teams verbringen vier bis sechs Wochen im Gastland und studieren in dieser Zeit die Institutionen, Lebensgewohnheiten und Wirtschaftsbedingungen ihrer Gastgeber.
4. Rotary Grants for University Teachers:
Diese Stipendien richten sich an Universitätsdozenten, die zwischen drei und zehn Monaten im Ausland unterrichten wollen. Gelehrt wird in Entwicklungsländern, um dort die Ausbildung an Hochschulen zu fördern. Deshalb muss das Gebiet, über das der Stipendiat doziert, einen praktischen Nutzen für die Studierenden des Gastlandes haben.
Aus: Dortmunder Online-Magazin
Verfasser: JOHANNES EBERHORN (Alle Rechte beim Verfasser)