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22. Mai 2012 |
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Sonntag, 07. November. 2004
Zehn Jahre nach Kairo -
RFPD gewinnt an Gewicht
Zur jährlichen Hauptversammlung der Rotarian Fellowship on Population and Development konnte Vorsitzender Robert Zinser am 06.11.2004 zahlreiche Mitglieder in Frankfurt begrüßen.
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Inc Director Horst Heiner Hellge aus Hamburg war morgens schon um 4 Uhr aufgestanden, um rechtzeitig zur Versammlung in Frankfurt zu sein. In seinem Grußwort erwähnte er den besonderen Stellenwert der Bevölkerungsfragen bei Rotary. Dies zeige die Anerkennung der RFPD als Fellowship. Grußworte überbrachten auch Ekkehart Pandel, Vorsitzender des Deutschen Governorrates (DGR) und Paul-Josef Zeisler, Beauftragter des DGR für den Weltgemeindienst.
Leider hatte der vorgesehene Gastredner Prof. Dr. Klaus Toepfer, Executive Director UN Environment Program, wegen dringender UN-Termine kurzfristig abgesagt.
Bericht des Vorsitzenden
Weltbevölkerung
Wir begehen 2004 "Kairo + 10". 1994 wurde in Kairo von der Völkergemeinschaft beschlossen, dass bis 2015 allen Menschen der Zugang zu Mitteln der Familienplanung möglich sein solle.
Immer noch wächst die Weltbevölkerung jährlich um ca. 80 Millionen Menschen, zu 99% in den Entwicklungsländern. Die Zahl der gebärfähigen Frauen zwischen 15 und 50 Jahren nimmt besonders stark zu. Vor allem in Zentralafrika betreiben weniger als durchschnittlich 9% der Menschen Familienplanung. Die Kinderzahl liegt dort im Mittel deutlich über sechs Kindern in einer Familie. Die Bevölkerung in den armen Ländern mit hoher Fertilität verdoppelt sich in 25 Jahren.
RFPD und RI
President RI Jonathan Mayijagbe machte Bevölkerungswachstum zu einem zentralen Thema. Sein Nachfolger Glen E. Estess nahm den Chairman der RFPD in das World Community Committee auf und unterstützt die Konferenz in Kairo. Auch der für Europa zuständige RI Direktor Stan Tempelaars unterstützt RFPD. Das Council on Legislation verwies allerdings den Antrag der RFPD auf ein Standing Committee zurück an das Board. Der für Fellowships zuständige RI Director John Eberhard unterstützt die Existenz von Fellowships für "Health and Social Issues". Die gegenwärtige US-Regierung propagiert dagegen Enthaltsamkeit statt Verhütungsmitteln und exportiert dies in Entwicklungsländer. Als Ergebnis steigt die Zahl der Teenager-Schwangerschaften nicht nur in den USA.
RFPD weltweit
In Japan, Korea und Taiwan wurden Ländersektionen gestartet. Mit dem Gründer der Grameen-Bank, Prof. Muhammad Yunus wurde eine enge Zusammenarbeit begonnen. Unterstützt von der Packard-Stiftung werden die Ländersektionen der RFPD mit Hilfe eines Consultant reorganisiert.
RFPD Deutschland
... hat 7576 Mitglieder aus 531 Clubs, zunehmend aus Inner Wheel und Rotaract. Durch Drittmittel konnte RFPD das 15-fache der eingesetzten Eigenmittel in Projekte umsetzen. Der RFPD-Vertreter war unter den fünf NGO-Vertretern beim Generaldirektor der WHO. RFPD arbeitet eng mit der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) zusammen. Ziel der deutschen Sektion ist, in jedem deutschen Distrikt einen Beauftragten im Beirat zu etablieren.
Öffentlichkeitsarbeit
... erfolgt mittels drei Websites, in einer monatlichen Kolumne im Rotary Magazin, über eine CD-ROM, durch Vorträge und Emails, aber auch durch das Verteilen von Informationsmaterial aus anderen Quellen wie Bundesregierung und DSW.
Ausblick
Ziel sind 10.000 RFPD Mitglieder in Deutschland und 20% der Mitglieder von Rotary, Inner Wheel und Rotaract. Für den Ausbau der Projekte sollen zunehmend weitere Drittmittel akquiriert werden, z.B. von EU-Calls und Firmenstiftungen. Bei einer anstehenden Fokussierung des Weltgemeindienstes wird ein angemessener Stellenwert der Bevölkerungssthemen angestrebt, da sie Armut, Hunger und Krankheiten beeinflussen.
Kommentar
Incoming Director Horst Heiner Hellge stellt heraus, dass RFPD eine überwiegende Unterstützung in Rotary findet. Innerhalb Rotarys gebe es jedoch auch unterschiedliche Gruppen und unterschiedliche Meinungen. Schwerwiegender noch sei die Tatsache, dass Rotary bisher zweckfrei Projekte unterstützt habe. Bevölkerungsprojekte haben jedoch das Ziel, menschliches Verhalten zu ändern. Einige Mitglieder des Zentralvorstands stünden daher reserviert der Idee gegenüber, den Akzent zu sehr auf dieses Ziel zu setzen - allerdings wird auch dort das Problem als solches sehr ernst genommen.
Berichte aus dem Vorstand
Mitgliederentwicklung - Wilma Heim
Ca. 14,6 % der Mitglieder von Rotary, Inner Wheel und Rotaract sind Mitglieder bei RFPD. In 2003 / 2004 kamen 3,7 % Mitglieder netto hinzu. Leider sind nur 43 % der möglichen Clubs durch ein Mitglied in RFPD vertreten. Die größte Dichte weist der Distrikt 1860 auf, die geringste im D. 1880. Bei Inner Wheel ist die Differenz zwischen D. 81 mit 255 (20%) und D.90 mit 0 Mitgliedern besonders groß. Die Quote der Rotaracter von 8 % erscheint sehr optimistisch, da durch die Altersgrenze viele Mitglieder unerkannt verschwinden.
Projektcontrolling - Ulrich Heymann
Derzeit sind 33 Projekte aktiv oder abgeschlossen. Dies erfordert organisatorische Strukturen und kontrollierte Abläufe. Leitziele sind die fiskalische Ordnung, Qualität der Projekte und Nachhaltigkeit der Wirkung. Der Vorstand hat hierzu organisatorische Maßnahmen eingeführt. Schon aus dem Projektantrag muss hervorgehen, ob diese Ziele im konkreten Projekt erreicht werden können. Jedes Projekt wird an Hand einer Checkliste auf seine Machbarkeit und seine Familienplanungskomponente überprüft.
Mit RFPD-Mitteln von 183.000 US$ konnte ein Gesamtvolumen der unterstützten Projekte von 2.532.000 US$ erreicht werden.
Finanzen - Wilma Heim
Einnahmen von 478.000 € stehen knapp 30.000 € an Ausgaben gegenüber. In den Einnahmen sind 321.000 € von Aventis für das Fistula-Projekt und ein Saldovortrag von 126.000 € enthalten. Der Rechnungsprüfer hat ein uneingeschränktes Testat erteilt.
Kooperationen
In Nepal wurden zwei Projekte erfolgreich begonnen - nicht zuletzt dank der hervorragenden Kontakte, die durch den Länderausschuss entstanden sind. Ebenfalls durch die Zusammenarbeit in den Länderausschüssen können in 2005 Gynäkologinnen aus Ägypten, aus Nepal und aus Bangladesh in Deutschland fortgebildet werden. Besonders gemeinsame Projekte bringen sowohl Länderausschüsse als auch RFPD weiter. In einzelnen Projekten gibt es bereits jetzt eine gute Zusammenarbeit mit den Rotary Volunteer Doctors, z.B. in Albanien.
Kennzeichen von Inner Wheel (IW) ist die Arbeit vor Ort. IW ist im Vorstand von RFPD vertreten und arbeitet kontinuierlich am Ausbau der RFPD-Aktivitäten.
Projekte
Dem 3H-Projekt in Nigeria wurden enorme qualitative und quantitative Fortschritte bescheinigt, als die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) es im Januar 2004 evaluierte. Nach einem sehr erfolgreichen Pilotprojekt 1995 bis 2000 startete das jetzt abgeschlossenen Großprojekt in sechs Staaten Nigerias. Über 75.000 Menschen wurden für Familienplanung sensibilisiert, ca. 15.000 Ärzte, Schwestern und Hebammen ausgebildet und über 4.300 Gesundheitseinrichtungen mit medizinischem Material ausgestattet. Mittlerweile wird das Gelernte in den örtlichen Gesundheitsstellen praktisch umgesetzt.
Die Evaluierung bestätigte, dass das Projekt enorme qualitative und quantitative Fortschritte in relativ kurzen Zeit seines Bestehens gemacht habe. Unabdingbare Voraussetzung für die Realisierung dieses Großprojekts war, keine neuen Strukturen zu schaffen, sondern die im Lande bestehenden Strukturen des Gesundheitswesens – insbesondere die auf der niedrigsten lokalen Ebene - zu nutzen.
Finanzierung des Nigeria-Projekts (Alle Angaben in 1000 US$)
RFPD: 25 Rotary Foundation (TRF): 499 Packard Foundation: 1.200
Gesamt verfügbare Mittel 1.724
Bei der Durchführung arbeiteten die Distrikte 1840 (Deutschland) und 9120 (Nigeria) eng zusammen. Sämtliche finanziellen Transaktionen wurden sowohl in Nigeria als auch in Deutschland von KPMG daraufhin geprüft, ob die zugeteilten Mittel auch zweckbestimmt eingesetzt wurden. Insgesamt handelte es sich schließlich um ein Volumen von 1,7 Mio. US$, das investiert wurde. Für weitere 200.000 US$ stattete man 2000 Gesundheitsstellen auf niedrigster lokalen Ebene mit Stethoskop, Waage, Blutdruckmesser aus.
Kürzlich bewilligte die Packard-Stiftung weitere 250.000 US$, um das Projekt noch einmal um weitere drei Jahre zu verlängern. Rotary will in dieser Zeit die erarbeiteten Strukturen soweit stabilisieren und erweitern, dass im Jahre 2007 das Projekt nahtlos vom nigerianischen Staat übernommen werden kann. Das RAC-Projekt ermöglichte, diesen Fahrradverleih zu gründen
Rotaract (RAC) betreibt Projekte in Togo und Kenia. Vorzeigeobjekt ist jedoch das Distriktprojekt 1860 in Alexandria, Ägypten. Ziele sind Familienplanung und Gesundheitsfürsorge, Ausbildung und wirtschaftliche Förderung durch Kleinkredite. Partner vor Ort ist Plan International. Der Rotaract Club in Alexandria betreut die einzelnen Familien und verwaltet die Gelder. Der RAC District 1860 besorgt Finanzierung, Öffentlichkeitsarbeit und Berichtswesen. Die gesamte Projektsumme beläuft sich auf 30.000 US$. Die Kombination von Familienplanung, Kleinkrediten und Ausbildung sorgt für einen großen Erfolg des Projekts. Ca. 223 Familien mit 1115 Personen werden unterstützt.
 Das RAC-Projekt ermöglichte, diesen Fahrradverleih zu gründen
Inner Wheel berichtete von einem Projekt in Lagos, Nigeria. Seit 1985 gibt es eine Zusammenarbeit mit dem dortigen Inner Wheel Distrikt. Eine wesentliche Erkenntnis war, dass gut ausgebildete Frauen wesentlich bewusster mit dem Thema Familienplanung umgehen. Aus diesem Grund wurden 215 Frauen ausgebildet und Tages- und Wochenseminare angeboten. Im weiteren Verlauf kamen Gesundheitsprojekte zu den Themen HIV/AIDS und Krebs dazu.
In Bangladesh gelang es, mit Kleinkrediten und Familienplanung Rikschas und Kühe für junge Ehepaare zur Verfügung zu stellen. Mit 16.000 US$ bewirkten sie einen großen Fortschritt und einen enormen Imagegewinn in der Region. Im Norden Nigerias ist ein Großprojekt zur Verbesserung der Müttergesundheit geplant
Ein Großprojekt zur Verbesserung der Müttergesundheit ist in den nordnigerianischen Staaten Kano und Kaduna geplant. 45% der 15-19jährigen Frauen dort sind schwanger. 8 von 1000 Frauen sterben bei der Geburt, bei 2-5 von 1000 Frauen bilden sich Fisteln zwischen Blase und Scheide und Darm und Scheide. Diese Frauen werden als unrein von der Gesellschaft gemieden. Ziele des Projekts sind, die Sterblichkeitsraten zu senken und die Fisteln zu behandeln. Die Frauen sollen über Gesundheitsvorsorge informiert und aufgeklärt werden. Dazu zählen Familienplanung, Aids-Beratung, Vermeidung der Frühehe, Schwangerenvorsorge und Geburtsbetreuung. Ärzte und Hebammen der Region sind zu qualifizieren und Operationszentren für Fisteln sollen eingerichtet werden. Rund 1 Mio. € sind insgesamt für das Projekt vorgesehen.
Sonstiges
Der Vorstand wurde einstimmig entlastet. Neu in den Vorstand aufgenommen werden Mitglieder für Projektkoordination und der Beauftragte des DGR für Gemeindienstfragen. Die Satzung wurde entsprechend geändert. Ulrich Pago wurde als Wirtschaftsprüfer wiedergewählt. Gewählt wurden weiterhin PDG Hufnagel als Projektkoordinator, PDG Pandel für die Mitgliederbetreuung und PDG Zeisler als Beauftragter für Gemeindienst.
Ulrich Heymann und Matthias von Wnuk-Lipinski wurden mit PHF-Saphiren für ihr besonderes Engagement geehrt.
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