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Ausländische Aktivitäten |
22. Mai 2012 |
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Abuja - Bevölkerungswachstum wird Schwerpunktthema (August 2003)
von Matthias Schütt
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1500 Teilnehmer in Nigerias Hauptstadt Abuja haben Anfang August 2003 die erste Präsidentenkonferenz zu "Bevölkerungsfragen" ("Population Concerns") geradezu zur Demonstration gemacht. Auch wenn den Andrang befördert haben mag, dass dies der erste heimatliche Auftritt "ihres" Präsidenten Jonathan Majiyagbe war, auf den die rund 3400 Rotarier in Nigeria natürlich stolz sind, so betrachten sie doch „Population Concerns“ ganz genauso selbstverständlich als "ihr" Thema: In diesem bevölkerungsreichsten afrikanischen Land war 1995 von den Governors Adedolapo Lufadeju (Distrikt 9120) und Robert Zinser (Distrikt 1860) das erste Bevölkerungsprojekt organisiert worden. Dieses wurde nach fünfjähriger Laufzeit so erfolgreich abgeschlossen, dass es nicht nur unmittelbar fortgeführt, sondern zum Ausgangspunkt einer machtvollen Bewegung innerhalb der rotarischen Welt wurde: Die Rotarian Initiative for Population & Development (RIFPD) ist heute mit allein in Deutschland 6000 Mitgliedern und weltweit 66 Ländergruppen sicherlich die stärkste Grassroot-Bewegung, die es bei Rotary je gab.
Präsident Majiyagbe, der diese Aktivitäten seit Jahren aufmerksam verfolgt, hat die erste passende Gelegenheit ergriffen, um deutlich zu machen, dass Bevölkerungsfragen zum Schwerpunkt der zukünftigen Arbeit Rotarys werden müssen: "Es ist von entscheidender Wichtigkeit, dass Eltern Zugang zu angemessener medizinischer Beratung sowie Hilfe bei der Familienplanung und Vorsorge für ihre Kinder erhalten. Mein Ziel ist es, dass diese Veranstaltung als Katalysator wirkt für neue Aktivitäten der Teilnehmer, ihrer Clubs und Distrikte auf dem Gebiet der Bevölkerungsproblematik", heißt es in seiner Botschaft an die Teilnehmer. Entsprechend herzlich wurden die begrüßt, die als erste aktiv wurden und den Nachweis erbrachten, dass auf diesem Gebiet durchaus Erfolge zu erzielen sind: die Past-Governors Zinser und Dolapo (Organisationschef der Konferenz) als Initiatoren des Pilotprojekts sowie die Vertreter des Distrikts 1840, der es im Herbst 2000 übernommen hatte, das Pilotprojekt in größerem Maßstab fortzusetzen: Governor Angela Fürstin Fugger und der Projektverantwortliche und Governor elect. Bruno von Mengden waren auf der Konferenz und der anschließenden Besichtigungstour durch das Projektgebiet mit von der Partie.
In allen Stellungnahmen der Konferenz, die durch den Empfang der Organisatoren bei Staatspräsident Olusegun Obasanjo auch politischen Stellenwert bekam, wurden Bevölkerungsfragen eine Schlüsselrolle für die nachhaltige Bekämpfung der Armut in der Dritten Welt zugewiesen. Insbesondere die Vize-Exekutivdirektorin des United Nations Population Fund (UNFPA) und stellvertretende UN-Generalsekretärin, Imelda J.M. Henkin, schälte in einem großen Aufriss die entscheidenden Fakten heraus:
Was die Regierungschefs aus aller Welt vor drei Jahren auf dem UN-Milleniums-Gipfel vereinbarten, nämlich bis 2015:
- Armut und Hunger in der Welt um die Hälfte zu reduzieren,
- die Ausbreitung von HIV/Aids einzudämmen,
- die Mütter- und die Kindersterblichkeit zu senken,
- Bildungschancen zu erhöhen und Gleichberechtigung für Frauen zu schaffen sowie
- eine nachhaltige Entwicklung der Umwelt sicherzustellen,
müsse bereits heute als gescheitert gelten, wenn es nicht gelingt, das Fortschrittstempo der 90er Jahre zu erhöhen. Afrika südlich der Sahara würde, so Henkin, bei unverändertem Tempo die angestrebte Senkung der Kindersterblichkeit nicht 2015, sondern erst 2165 (!) erreichen. Was Aids-Ausbreitung und die Ernährungssituation betrifft, geht der Trend gar noch immer in die falsche Richtung…
Der Grund dafür liegt in erster Linie in unvermindertem Wachstum der Bevölkerung in Entwicklungsländern, und gerade in den ärmsten – Burkina Faso, Mali, Niger, Somalia und Uganda – mit unverminderter Dynamik: UNFPA erwartet hier eine Vervierfachung in den nächsten 50 Jahren!
Von hier aus betrachtet, wird jeder Ansatz fragwürdig, der nicht das Kernproblem ins Zentrum rückt. Wenn es nicht gelingt, über umfassende Aufklärung und medizinisch-soziale Betreuung, den Familien zum Beispiel in Nigeria zu vermitteln, dass sie selbst bestimmen können, wann, in welchen Abständen und wie viele Kinder sie großziehen wollen, dann laufen alle anderen Hilfsanstrengungen von den klassischen Almosen über Alphabetisierungskampagnen bis zur Lieferung moderner medizinischer Ausstattung ins Leere. Andersherum wird ein Schuh daraus: Wer seine Familie plant, nimmt sein Schicksal in die eigenen Hände, wird als Empfänger eines Kleinkredits die Chance zur Sicherung des Lebensunterhalts der Familie nutzen, wird seine Kinder zur Schule schicken, auf ihre Gesundheit achten und ihnen vor allem vermitteln, dass man nicht einfach als "Schicksal" hinnehmen darf, was dieses bescheidene Glück gefährdet – und global gesehen zum Untergang der Erde führt.
Diesen Ansatz etwa als "neokolonialistisch" zu verteufeln, ist völlig abwegig, weil Menschenrechte, wie der freie Zugang zu Informationen, universell gelten, also auch für die, die selbst nur schwer diesen Zugang finden, z.B. Analphabeten, und nicht zuletzt, weil Aufklärung auf diesem Gebiet auch bedeutet, eine humanitäre Katastrophe vieler junger Afrikanerinnen zu vermeiden. Gemeint sind hier die fatalen Folgen, die entstehen, wenn Frauen zu früh gebären müssen. Dort, wo traditionell schon 12-, 13-Jährige Mütter werden, kommt es immer noch und immer wieder zu so schwerwiegenden Komplikationen, dass die Kinder die Geburt nicht überleben und die Frauen Vaginalfisteln erleiden, die ihr weiteres Leben zur Hölle machen – "eine medizinische, soziale und psychologische Katastrophe", wie Prof. Andrew Arkutu in seinem Vortrag betonte. Allein in Nigeria wird die Zahl der unter diesen Fisteln leidenden Frauen auf eine Million geschätzt. Arkutu: "Wir schätzen, dass jedes Jahr 5000 neue Fälle dazukommen."
5000 Katastrophen jedes Jahr allein in Nigeria, die vermieden werden können – wenn die Gebärenden von ausgebildeten Hebammen begleitet und ärztlich versorgt werden, am besten aber noch, wenn die Frauen erst gebären müssen, wenn sie es auch körperlich können. Dass 90 Prozent dieser Fisteln laut Prof. Arkutu mit relativ einfachen Operationen geheilt werden können, zeigt einmal mehr den fatalen Zusammenhang unserer entscheidenden Zukunftsfragen mit der Armut in den Entwicklungsländern.
Unter den 1500 Konferenzteilnehmern Abuja war auch eine etwa 20-köpfige deutsche Gruppe, die im Anschluss daran zur Besichtigung der Kliniken auf dem Lande aufbrach, die von den Maßnahmen des Pilotprojekts und des anschließenden 3-H-Projekts profitiert haben. Die Reiseroute ging von Abuja über Jos, Kano, Zaria und Kaduna im Norden des Landes zurück in die Hauptstadt. Neben den erwähnten Governors und Past-Governors gehörten auch die Gynäkologen Manfred Gruhl (R.C. Weissenburg) und Richard Klink (R.C. Schwäbisch Hall) dazu, die im Rahmen eines Einsatzes der German Rotary Volunteer Doctors e.V. (GRVD) in Jos einen Ultraschall-Weiterbildungskurs für medizinisches Personal durchführen wollten.
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