In kurzweiliger Weise führte der Standortleiter Dr. Schäfer
durch die Anlage. In einem Filmbeitrag erfuhren wir über die Aufgaben des Institutes
als Forschungs-, Entwicklungs- und Versuchseinrichtung der DLR und die
Einbindung in die Programme der europäischen Trägerrakete Ariane.
Beim Gang durch das Museum am Standort erläuterte der
Prüfstandsleiter „der ersten Stunde“ sachkundig und spannend die Exponate, die
eindrucksvoll ein Stück Zeugnis der 50-jährigen europäischen Weltraumgeschichte
ablegen.
Begonnen hatte alles im Jahr 1960, mit der Idee des deutschen
Raumfahrt- und Raketenforschers Eugen Sänger, der die einzigartigen
Möglichkeiten des Standort Lampoldshausen als Testgeländes erkannte. Der
Standort wurde seit dem kontinuierlich ausgebaut.
Mit dem Scheitern des ersten europäischen Raumfahrtprogramms
ELDO im Jahr 1973 geriet der Standort Lampoldshausen in eine Krise. Doch schon
1975 wurden unter der Führung der neu gegründeten europäischen Weltraumagentur
„ESA“ die Arbeiten an der neuen
Trägerrakete Ariane aufgenommen und in Lampoldshausen das dazu gehörende
„Viking-Triebwerk“ getestet.
Mit dem ersten erfolgreichen Ariane-Start am Heiligabend
1979 begann auch für den Standort Lampoldshausen eine unglaubliche
Erfolgsgeschichte. Die Ariane wurde bis zur Ariane 4 weiterentwickelt, um die
immer schwereren Satelliten ins All zu bringen. Vermarktet von dem 1980
gegründeten Unternehmen Arianespace
stieg Ariane zum Weltmarktführer kommerzieller Trägersysteme auf. Auf
dem Weg ins neue Jahrtausend wurde mit Ariane 5 eine Großrakete mit dem neuen
Triebwerk „Vulcain,“ das mit flüssigem Sauerstoff und flüssigem Wasserstoff
betrieben wird, entwickelt und 1996 erfolgreich gestartet. Auch hierbei hatten die
Lampoldshausener Ingenieure, Techniker und Arbeiter maßgeblichen Anteil.
Ariane 5 hat bis heute in 19 Flügen erfolgreich Satelliten
ins All transportiert und 2008 erstmals einen unbemannten Weltraumfrachter
(„Jules Verne“) , der die Weltraumstation „ISS“ mit Treibstoff, Kleidung für die
Astronauten und Experimenten versorgen soll, in den erdnahen Orbit (350-400 km Höhe) gebracht, wo
der Frachter gute 3 Wochen später erfolgreich an die ISS andocken konnte, um
deren Umlaufbahn dann anzuheben. Schon heute rüstet sich der Standort
Lampoldshausen für die nächste
Generation von Triebwerken, etwa dem „Vinci-Triebwerk“, das den Transport von
Nutzlasten bis zu 12 Tonnen zulassen wird.
Der Besuch wurde abgeschlossen mit einer Besichtigung im
Prüfstand P5, wo Techniker emsig an einem Triebwerk arbeiteten.
Für einen spannenden, beeindruckenden und lehrreichen
Nachmittag bedankte sich Past-Präsident
Richard Diesch bei Dr. Schäfer und der DLR . Frd. Uwe Reinhardt ,der den
Besuch arrangiert hatte, überreichte ein Präsent aus dem Weingut Birkert.
Richard Diesch
Benutzte Quelle: 50 Jahre DLR Lampoldshausen